Das zweischneidige Schwert von Crowdsourcing Innovation

Crowdsourcing liegt im Trend. Doch bekanntlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Wir möchten daher in folgendem Beitrag neben den Chancen von Crowdsourcing besonders die Risiken betrachten.

(picture credit: tommy.developer)

(picture credit: tommy.developer)

3 Gründe, die für Crowdsourcing sprechen

  • Indem bei Crowdsourcing externes Wissen miteinbezogen wird können Kosten in der Forschung und Entwicklung eingespart werden.
  • Mittels Crowdsourcing können Schwächen von internen Innovationsmethoden umgangen werden. Der Einbezug von externen Usern wirkt beispielsweise der Betriebsblindheit entgegen.
  • Kleine Unternehmen profitieren besonders, denn diese haben normalerweise keine Ressourcen um F&E zu betreiben und ihnen fehlt das Wissen über Outsourcing. Crowdsourcing-Plattformen wirken hier ausgleichend. Sie bieten kleinen Unternehmen Zugang zu einer innovativen Community, die schnell und kostengünstig Ideen entwickeln kann. Dadurch können kleinere Unternehmen besser mit grösseren Firmen mithalten.

Die Herausforderungen und Risiken

Crowdsourcing stellt hohe Anforderungen an das Management. Hightech-Tools zur Zusammenarbeit im Innovationsbereich führen zu einem Paradigmenwechsel: Sie fördern und bedingen gleichermassen eine offene Betriebskultur. Hinzu kommt die Diskrepanz zwischen den flexiblen, nicht hierarchischen Strukturen in Online Communities und den klassischen hierarchischen Strukturen und geordneten Abläufen wie sie in grösseren Unternehmen anzutreffen sind. All dies erfordert ein Umdenken: Abläufe und Strukturen müssen von Grund auf neu durchdacht werden. Des Weiteren gibt es noch wenige Studien zum Einsatz von Crowdsourcing, die das Risikomanagement miteinschliessen. Wie beim Innovationsmanagement selbst muss beim Crowdsourcing nach dem Versuchs-und-Irrtumsverfahren vorgegangen werden, weil die Erfahrungen damit noch fehlen.

Zudem kann der grosse Vorteil von Crowdsourcing auch schnell zum Nachteil werden:

“Technology is playing a big role in generating ideas. It gives everyone a voice. There’s such an inundation of ideas that you often end up with this cacophony of opinions and no clear point of view.” R. Lemuel Lasher, Chief Innovation Officer, CSC

Durch Crowdsourcing können in kurzer Zeit viele Ideen generiert werden. Doch die Verwaltung der Ideen, deren Unterscheidung in relevante und unbrauchbare Ideen, ist eine anspruchsvolle, intellektuelle Arbeit. Diese muss aufgrund der Komplexität von erfahrenen Menschen erledigt werden und ist daher kostenintensiv. Daher gilt es, nicht nur Ideen zu sammeln, sondern die Community bereits während der Ideen-Generierung zu begleiten und in die vom Unternehmen gewollte Richtung zu führen. Diese Moderation ist ebenfalls aufwändig, dadurch kann die Qualität der Ideen jedoch erheblich gesteigert werden. Schliesslich ist es nicht damit getan, möglichst viele Ideen zu erhalten, sondern Informationen in hoher Qualität zu generieren.

R. Lemuel Lasher kritisiert hinsichtlich der Qualität die Tiefe und Relevanz der Ergebnisse, die Ideen würden oft nur an der Oberfläche kratzen. Crowdsourcing eignet sich denn auch weniger für die Lösung komplexer Probleme sondern ist eher für die Ideengewinnung geeignet.

Grundsätzlich gilt: Je besser die möglichen Problemlöser in die Aspekte eines Problems eingeweiht sind, desto besser die Lösung. Dies bedeutet jedoch auch, dass geistiges Eigentum der Firma preisgegeben wird. Der Verlust geistigen Eigentums kann kaum ausgeschlossen, durch entsprechende Verträge jedoch eingegrenzt werden. Auch gilt es zu definieren, ob und welchen Anteil die Community an den mitentwickelten Ideen hat.

Fazit: Crowdsourcing bietet viele Vorteile aber auch neue Herausforderungen. So braucht es noch viel Forschungsarbeit in den Bereichen Risiko- und Innovationsmanagement. Die Risiken von Crowdsourcing sind bekannt (vgl. Souza, Ramos, Esteves), es fehlen jedoch konkrete Massnahmen um diese Risiken zu bewältigen. Offen bleiben auch die Fragen, wie die Rendite (ROI) von Crowdsourcing gemessen werden kann und wie sich die Motivation der Community über längere Zeit aufrechterhalten lässt.

Quellen:

Glinska, Malgorzata; Halliday, Amy (2013): The Double-Edged Sword of Collaboration Technologies. In: Batten Briefings.

Kaganer, Evgeny et al. (2013): Managing the Human Cloud. In: MIT Sloan Management Review, 54 (2).

Souza, Liêda; Ramos, Isabel; Estevees, José: Managing Risks of Crowdsourcing Innovation: An Action Research in Progress

Advertisements

Crowdsourcing-Plattformen als Bindeglieder zwischen Usern und Unternehmen

5-crowdsourcing-platforms-every-developer-should-know-4377faafff

(picture credit: mashable.com)

Crowdsourcing-Plattformen schiessen zurzeit wie Pilze aus dem Boden. Für jeden Bereich gibt es solche Plattformen, sei es für das Design von Webseiten, Datenmanagement oder die Finanzierung eines Musikalbums. Die Plattformen treten dabei als Mittler zwischen Unternehmen / Organisationen und einer Community auf. Zum einen gibt es die Crowdfunding-Plattformen auf denen Künstler oder Organisationen ihre Projekte vorstellen und User diese mitfinanzieren können. Zum anderen die Human-Cloud-Plattformen, wo ein Pool von virtuellen Arbeitskräften auf Auftrag verschiedene Dienste für interessierte Unternehmen ausführt.

“While brands have been seeking ideas from consumers through TV and on social media profiles, crowdsourcing platforms and agencies are setting up and positioning themselves as cost-effective ways to gather content.” (Seb 2012)

Unternehmen wie Unilever, Procter & Gamble und Kia wenden sich an Mittler statt Facebook oder Twitter, weil sie sich durch solche Plattformen schneller innovativere Ideen erhoffen. Andere Unternehmen zögern hingegen noch, Crowdsourcing anzuwenden. Zum einen fürchten sie den Verlust von geistigem Eigentum, zum anderen war es lange Zeit schwierig, komplexe Prozesse auszulagern. Um die Bedürfnisse der Unternehmen besser zu befriedigen, entwickelten grössere Plattformen 4 Geschäftsmodelle. Mit diesen können auch komplexe Projekte koordiniert sowie der Verlust von geistigem Eigentum minimiert werden:

  • Beim „Faciliator Model“ wird die Anonymität der User reduziert. Unternehmen haben Zugang zu Informationen über die User wie Lebensläufe, Fähigkeiten und erfüllte Aufgaben. Teilweise können die Unternehmen die Kandidaten interviewen, bevor sie diese anstellen. Ebenso werden die Arbeitsprozesse transparent gemacht. Die Plattform Elance bietet beispielsweise Projektmanagement-Werkzeuge an, mit denen Meilensteine erstellt, Berichte über den Projektstatus versandt oder auch erreichte Meilensteine mit Bezahlungen verknüpft werden können. // Beispiele: Elance, oDesk
  • Das „Arbitrator Model“ eignet sich für unstrukturierte und komplexe Arbeiten, die Expertenwissen erfordern wie Design sowie Forschung und Entwicklung. Das Modell bietet Unternehmen je nach Bedarf Zugang zu einer spezialisierten Community, wo die  spezialisierten User über einen Wettbewerb ausgewählt und für ein Projekt engagiert werden können. Ein grosser Vorteil für Unternehmen: Sie zahlen nur für die wertvollsten bzw. brauchbarsten Inputs. // Beispiele: crowdSPRING, InnoCentive
  • Für grössere, jedoch einfache, repetitive Aufgaben wie das Vergeben von Tags oder das Aufräumen von Kontakt-Datenbanken eignet sich das „Aggregator Model“. Über eine einzige Oberfläche können Unternehmen Arbeiten auf eine grosse Anzahl von Usern aufteilen. // Beispiele: Amazon Mechanical Turk, NASA Clickworkers.
  • Für hoch-komplexe Projekte eignet sich das “Governor Model”. Durch die Kombination von Projektmanagern und einer ausgeklügelten Software sollen individuelle Aufgaben aufeinander abgestimmt und koordiniert werden. Plattformen mit diesem Modell bieten ausgefeilte Projektmanagement-Methoden an wie sie auch offline innerhalb eines Unternehmens angewendet werden. Aufgaben von Unternehmen können gesammelt, in einzelne Aufgaben aufgeteilt und an verschiedene User verteilt werden. Daneben schliesst dieses Modell auch das Controlling sowie die Qualitätskontrolle der erfüllten Aufgaben mit ein. // Beispiel einer Plattform, die auf dem Governor Model beruht: TopCoder

Durch die 4 Geschäftsmodelle können Unternehmen die Risiken von Crowdsourcing auf die Plattformen abwälzen: Die Plattform wird zum ersten Kontaktpunkt für das Unternehmen und trägt die Verantwortung für projektbezogene Risiken.

Weitere Beispiele für Crowdsourcing-Plattformen gibt es hier, hier und hier.

Kaganer, Evgeny et al. (2013): Managing the Human Cloud. In: MIT Sloan Management Review, 54 (2).

Seb, Joseph (2012): Brands delve deeper into crowdsourcing. In: Marketing Week.

Zur Nachahmung empfohlen… Von Menu-Karten, Ideenwettbewerben und Crowdsourcing in Non-Profit-Organisationen

DuBischDra

(picture credit: esociety.net)

Während die Good-Practice Beispiele zeigen, dass heute alle namhaften Marken Crowdsourcing betreiben, ist es für Non-Profit-Organisationen wichtig, vergleichbare Institutionen und Projekte zu kennen.

Du bisch dra“ das Projekt des Landesmusem Lichtenstein ist ein Beispiel dafür, wie auch Non-Profit-Organisationen die Crowd nützen können. „Du bisch dra“ war ein Ideenwettbewerb für das Landesmuseum der Zukunft. Gesucht wurden Ideen in zwei Kategorien. Zum einen ging es um die kreativste Idee, die nicht umsetzbar sein musste, sondern möglichst kreativ, innovativ und neu. Zum anderen gab es aber auch die Kategorie der nützlichsten Idee: Diese musste zwingend auch realisierbar sein. Bewertet wurden die Ideen über die Anzahl Likes der anderen User und einer vierköpfigen Fachjury. Speziell: Jede Woche gab es einen Wochensieger, nämlich die Idee mit den meisten Likes der Woche. Gesponsert wurden die Preise von verschiedenen Restaurants und Geschäften aus der Region.

Das Schöne am Projekt aus Lichtenstein: Auch wenn mit der Universität Lichtenstein ein professioneller und fachkompetenter Partner das Projekt mitkonzeptioniert hat, ist es einfach und fassbar geblieben und dient somit als ausgezeichnetes Beispiel für andere NPOs. Es muss nicht immer ein riesiges Werbebudget oder ein grosser Name dahinter stehen. Ebenfalls interessant ist der grosse Spielraum der den Ideen gelassen wurde: In der Kategorie „kreativste Idee“ gab es keinerlei Einschränkung.

menu

(picture credit: http://menus.nypl.org/)

Ein ganz anderes Konzept verfolgt die New York Public Library mit dem Projekt „New York Public Library’s Menu Collection“. Hier wird die Crowd zur Transkription von rund 45‘000 digitalisierten Menu Karten benötigt. Gang für Gang können alle die gerne mitmachen möchten, die einzelnen Speisen übersetzen. Die ältesten Speisekarten stammen aus den Jahren um 1840 und sind somit wichtige Zeitzeugen für Historiker, Biologen und Ernährungswissenschaftler aber auch für Privatpersonen ohne wissenschaftlichen Forschungszweck.

Die Menu Collection ist mit Bestimmtheit das grösste und bekannteste Bibliotheks-Crowdsourcing-Projekt. Die Erfolgsfaktoren scheinen hier klar auf der Hand zu liegen: Essen und Kochen ist seit Jahren im Trend, die Masse kann sich demnach gut mit dem Thema identifizieren, es ist kaum Fachvokabular notwendig und der Aufwand pro Transkription hält sich durch die Unterteilung in verschiedene Speisen in Grenzen. Auch hier steht die Einfachheit im Vordergrund.

Eine Belohnung oder einen Preis gibt es nicht. Hier zählt einzig und allein der Mitmach-Gedanke. Zudem ist die NYPL eine der berühmtesten Bibliothek der Welt und verfügt deshalb auch über ein riesiges Netzwerk aus Fans, Nutzern und Unterstützern.
Gerade solche Projekte werden zukünftig in der Bibliothekswelt noch öfters anzutreffen sein.

Quellen:
http://menus.nypl.org/about
http://hastac.org/blogs/ecornell1/2011/11/20/crowdsourcing-new-york-public-librarys-menu-collection
http://legacy.www.nypl.org/research/chss/grd/resguides/menus/
http://www.esociety.net/?p=2036

http://www.buero-dlb.ch/de/archiv/multimedia-und-internet/crowdsourcing-im-liechtensteinischen-landesmuseum

Vom Hype zum strategischen Einsatz: Mit Crowdsourcing zu mehr Innovativität, Profit und besserer Kundenbindung

strategy_edit2

(picture credit: dreamscapemarketing.com)

Der hohe Stellenwert von Innovationen, verbunden mit einem verstärkten Innovationsdruck und der intensiven Zusammenarbeit von Unternehmen und deren Mitarbeitenden sowie Kunden sprechen für Crowdsourcing. Voraussetzung für funktionierendes Crowdsourcing ist wie bei Open Innovation eine offene Firmenkultur. Die Komplexität von Crowdsourcing macht zusätzlich eine Crowdsourcing-Strategie erforderlich. Es gilt folgende Fragen zu klären:

  • Was ist Ihr Ziel bzw. was erhoffen Sie sich von Crowdsourcing? Je nach Ziel ist ein anderes Crowdsourcing-Instrument sinnvoll. Mögliche Ziele: Verbesserung von Produkten oder Dienstleistungen, Erhöhung der Kundenbindung oder Outsourcing von Forschung & Entwicklung
  • Welche der folgenden Crowdsourcing-Instrumente möchten Sie einsetzen?

Crowd-Voting: Das Urteil der Crowd wird genutzt um Zeitungsartikel, Musik oder auch Filme nach einem Ranking zu ordnen. Beispiel: Die Algorithmen (Page Rank), die Google nutzt, um die Suchresultate nach Relevanz zu ordnen. Crowd-Voting wird ebenfalls als Marketing-Instrument genutzt, wo die User über die eingereichten Ideen und Projekte abstimmen und diese bewerten können.

Crowd Wisdom: Basierend auf dem Modell der Crowd Intelligence wird davon ausgegangen, dass die Crowd immer innovativere Ideen hervorbringt als eine Gruppe von Mitarbeitenden oder Experten. Es geht vor allem darum, durch eine grosse Masse bessere Entscheidungen zu treffen oder mehr Wissen zu generieren. Ein Beispiel wäre hier Wikipedia.

Crowdcreation: Dazu gehören Aktivitäten wie Werbefilme herstellen, Übersetzungen machen oder wissenschaftliche Probleme lösen. Dieses Instrument wird oft mit Crowd-Voting kombiniert. Zuerst sollen die User Inhalte erstellen, danach stimmen sie über die Ergebnisse ab und wählen die besten Arbeiten bzw. Projekte. Beispiel: Threadless.com, wo User in Form eines Wettbewerbs Ideen für den Aufdruck von T-Shirts eingeben können.

Crowdfunding: User kooperieren miteinander und legen ihr Geld zusammen um einzelne Personen oder Gruppen zu unterstützen, die auf traditionelle Weise keinen Kredit oder Sponsoring erhalten würden. Beispiel: Kiva basiert auf Mikrokrediten, die User aufstrebenden Unternehmern in ärmeren Ländern ausleihen. Sobald die Unternehmer finanziell unabhängig sind, bezahlen sie die Kredite wieder zurück.

  •  Was ist Ihre Zielgruppe? Handelt es sich dabei um Experten oder Laien? Wem gehören die generierten Ideen oder Produkte? Hier gilt es, Fragen zum Geistigen Eigentum zu berücksichtigen.
  • Wie belohnen Sie die Beteiligten? Die Herausforderung besteht darin, die freiwillig Beitragenden über längere Zeit zur Mitarbeit zu motivieren (Chanal, 2010).
  • Wie erzeugen Sie Gewinn?
  • Wie viel Ressourcen möchten Sie für Crowdsourcing aufwenden? Wer ist dafür verantwortlich? Aufgrund der Anonymität und dem Grad der Einbindung der Crowd empfiehlt es sich, diese zu leiten. Einerseits ermöglicht dies, den Entwicklungsprozess in die vom Unternehmen gewünschte Richtung zu lenken und andererseits können die Teilnehmenden dazu motiviert werden, das Geschäftsmodell einer privaten Firma zu unterstüzten.
  • Wer wertet die Ideen aus und entscheidet, welche Produkte oder Ideen umgesetzt werden? Die Ideen-Flut auszuwerten ist zeit- und kostenintensiv. Die Firma sollte zwischen den folgenden Herangehensweisen abwägen:

Auswahl der Ideen durch die Crowd. Vorteile: Es können interne Ressourcen eingespart werden. Ausserdem vertritt die Crowd ihre Anliegen, was zu einer besseren Akzeptanz des Produkts auf dem Markt führt.

Auswahl der Ideen durch ein internes Expertenteam. Vorteil: Die internen Mitarbeitenden kennen die Abläufe und Strukturen des Unternehmens und können dadurch die Machbarkeit der Ideen besser beurteilen.

Grundsätzlich eignet sich Crowdsourcing gut um das Innovationspontial zu steigern, Entwicklungskosten zu minimieren oder Schwächen des internen Innovationsmanagements zu verringern (Schuurmann et al., 2012). So können mit Crowdsourcing interne Strukturen aufgebrochen und Innovationsprozesse geöffnet werden. Studien belegen denn auch, dass durch Crowdsourcing generierte Ideen innovativer, profitabler und besser auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten sind.

Quellen:

Chanal, Valérie; Caron-Fasan, Marie-Laurence (2010): The Difficulties involved in Developing Business Models open to Innovation Communities: the Case of a Crowdsourcing Platform. In: Management, 13 (4), 318-341.

Schuurmann, Dimitri et al. (2012): Smart Ideas for Smart Cities: Investigating Crowdsourcing for Generating and Selecting Ideas for ICT Innoation in a Citiy Context. In: Journal of Theoretical and Applied Electronic Commerce Research, 7 (3), 49-62.

Tricider: How Crowdsourcing is used? Verfügbar unter: https://tricider.com/en/Crowdsourcing-Strategies/?wicket:pageMapName=wicket-0

Mit gutem Beispiel voran. Good Practice in Crowdsourcing

Crowdsourcing-Projekte haben viele Gesichter und sind dementsprechend vielseitig. Trotz der bereits zitierten Schwierigkeiten mit Crowdsourcing im Finanz- oder Versicherungswesen und Zurückhaltung der Chemiebranche gibt es mittlerweile unzählige Beispiele für exzellente Anwendungen von Crowdsourcing.

(picture credit: npl.co.uk)

(picture credit: npl.co.uk)

Die Anwendungen können von Wissenssammlungen über Ideenfindung oder Produkteentwicklung  bis zu Strategiekonzeptionierungen reichen. Die Liste der Top Brands, die bereits Crowdsourcing eingesetzt haben, könnte daher unzählig erweitert werden: Pepsi, Cola, IBM, BMW, Intel, Google, McDonald…. Selbst Disney hat bereits seine Kunden um Hilfe gebeten.

Auch wenn es vielen Nutzern nicht bewusst ist, gehört die Online-Enzyklopädie Wikipedia zu einem der bekanntesten Crowdsourcing-Beispielen. Jeder kann daran teilnehmen, profitieren und sich durch das Zusammentragen von Wissen profilieren. Andrew Lih dazu in seinem Buch ‚The Wikipedia Revolution’:

„Wikipedia led the way in demonstrating that the collaborative accumulation of knowledge was not only feasible but desirable. [It …] made recording human history a revolutionary, collaborative act.“

Wissen von vielen für viele, ein Konzept das bereits lange vor dem Crowdsourcing-Hype der letzten Jahre eingeschlagen hat.

Abgekupfert von Wikipedia ist Migipedia, das Kundenforum des Grossverteilers Migros. Hier sind die Kunden und Marketingfachleute auf Du und Du. Ideen für Produktentwicklungen, Verbesserungen oder Anregungen zu Dienstleistungen können eingegeben und von anderen Kunden mitbewertet werden.

(picture credit: unseraller.de)

(picture credit: unseraller.de)

Ein Beispiel für eine spezifische Produkteentwicklung ist die Entwicklung des Balea Douchegels „Eisschimmer“ des Drogeriemarktes dm. Verpackungsdesign, Duftvorschläge und Namensgebung kamen von Kunden innerhalb „unser Aller“, einer Facebook-Crowdsourcing-Anwendung. Die Erfolgsstory sowie weitere Crowdsourcing-Kampagnen können hier nachgelesen bzw. verfolgt werden.

Neben dem eigentlichen Sammeln der Ideen kommt fast ebenso häufig Crowdfunding zum Einsatz. Die weltweit führende Plattform zur Finanzierung von Projekten durch eine Community ist kickstarter.com. Vor allem Projekte aus den Bereichen Kunst, Games, Musik, Film und Verlagswesen wurden bisher finanziert – insgesamt waren es 2012 mehr als 18 000 erfolgreich realisierte Projekte. Die Zahlen sprechen für sich: Mehr als 2 Millionen User beteiligten sich 2012 an Projekten und bereits der zweite Spielfilm, der über Kickstarter finanziert wurde, war für einen Oscar nominiert.

Fazit: Mit Crowdsourcing können Kunden aktiv in die Ideenfindung oder Produkteentwicklung einbezogen werden. Daneben können grössere Arbeiten auf eine Community aufgeteilt (Microworking) oder Projekte finanziert werden (Crowdfunding). Das Fallbeispiel „Cards against Humanity“ zeigt jedoch auch auf, wie wichtig neben einem guten Projekt die Pflege der Community ist: Die Nutzer sind bereit, Ideen einzubringen, Projekte zu finanzieren, an grösseren Aufgaben mitzuarbeiten oder Produkte zu entwickeln, im Gegenzug erwarten sie Unterhaltung, regelmässige Informationen aus erster Hand, Anerkennung innerhalb der Community oder auch eine finanzielle Beteiligung.

Quellen:

Crowdsourcing.org (2012): 10 of the 11 Best Global Brands use Creative Crowdsourcing. Verfügbar unter: http://www.crowdsourcing.org/editorial/10-of-the-11-best-global-brands-use-creative-crowdsourcing-/16935

Direkt+ (2012): Mitmach-Marketing: Beispiele erfolgreicher Crowdsourcing-Kampagnen. Verfügbar unter: http://www.direktplus.de/praxistipps/mitmach-marketing-crowdsoucing/beispiele-erfolgreicher-crowdsourcing-kampagnen/

Eyeka Worldwide (2012): eYeka Coca-Cola, „Energizing Refreshment“ Co-Creation Project. Verfügbar unter: http://www.youtube.com/watch?v=E0ytXnf47CQ

Google (2010): Googley Art Wall Contest. Verfügbar unter: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=i0kcuRiu7y4

IBM (2010): JAM events. Verfügbar unter: https://www.collaborationjam.com/

Kickstarter (2013): Kickstarter. Verfügbar unter: http://www.kickstarter.com/

Kickstarter (2013): Case Study: Cards Against Humanity. Verfügbar unter: http://www.kickstarter.com/blog/case-study-cards-against-humanity

Kickstarter (2011): Incident in New Baghdad. Verfügbar unter: http://www.kickstarter.com/projects/1941167757/incident-in-new-baghdad-oscar-qualifying-la-releas?ref=yir2012

Kickstarter (2013): The Best of Kickstarter 2012. Verfügbar unter: http://www.kickstarter.com/year/2012?ref=footer

Localmotors (2012): Local Motors and BWM Urban Driving Expercience Challenge Design. Verfügbar unter: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=l0NDnVsiuLM#!

Migros (2008): Migipedia. Verfügbar unter: http://www.migipedia.ch/de/

Pepsi (2010): The Pepsi Refresh Project. Verfügbar unter: http://www.youtube.com/watch?v=srY7Wkl2IbI

Robert Rekece, Robert, Zimmermann, Hans-Dieter, Meili, Christoph (2012): Open Innovation Monitor 2012. Verfügbar unter: http://innovationsgesellschaft.ch/media/archive2/oim/OIM_Whitepaper.pdf

Schneider, Burkhard: Megatrend Crowdsourcing. Verfügbar unter: http://de.slideshare.net/bestpracticebusiness

VivaKi (2012): Razorfish Germany „My Burger“. Verfügbar unter: http://vimeo.com/40618555

Crowdsourcing als Teil der Innovationsgesellschaft – (k)ein Wundermittel?!

In der Wissenschaft gehört Crowdsourcing ohne Wenn und Aber zur Innovationsgesellschaft. Die Theorie propagiert seit 2003 eine Social Media Revolution im Bereich Innovationsmanagement. Demnach wäre es für die Unternehmen ein Einfaches, die Community an der Unternehmensentwicklung aktiv partizipieren zu lassen – warum aber machen das noch nicht alle?

Social Media

(picture credit: blog.alpict.com)

Ganz so einfach scheint es dann doch nicht zu sein, wie die Studie der Innovationsgesellschaft mbH und dem Institut für Informations- und Prozessmanagement der Fachhochschule St.Gallen (IPM-FHS)  aus dem Jahr 2012 zeigte. (Open Innovation Monitor 2012, vorgestellt an der Messe Print & Publishing Schweiz).
So gaben beispielsweise 39 Prozent der 200 befragten Führungskräfte an, sie wollen vermehrt auf Open Innovation-Instrumente bauen, den direkten Einsatz von Crowdsourcing sehen dennoch nur wenige.

bereitschaft crowdsourcing im innovationsmanagement einzusetzen

(picture credit: Robert Rekece, Hans-Dieter Zimmermann, Christoph Meili)

Hinderungsgrund ist neben einer Unkenntnis der Methode auch die Angst geistiges Eigentum oder internes Wissen zu verlieren. Gerade in der Chemie- und Pharmaindustrie, im Finanzwesen und in der Versicherungsbranche eine weit verbreitete Befürchtung.

wo ist innovation verankert

(picture credit: Robert Rekece, Hans-Dieter Zimmermann, Christoph Meili)

Nicht für jedes Unternehmen ist es einfach, die eigene strategische Stossrichtung offen im Internet zu verbreiten. Angst macht den Unternehmen zusätzlich, dass Ideengeber plötzlich rechtliche Ansprüche an Gewinnen fordern könnten. Die Unternehmung muss dazu bereit sein, die Innovationshierarchie völlig aufzubrechen. Wo früher von Oben bestimmt wurde, wo investiert werden soll, kann heute nicht nur der ganze Konzern, sondern das gesamte Netzwerk Ideen und Wünsche einfliessen lassen. Open Innovation heisst nicht nur Kunden bei der Entwicklung einzubeziehen, es geht auch darum, dass Kunden eine noch nie dagewesene Macht erhalten.

Quellen:

Gassmann, Oliver (Hrsg.): Crowdsourcing : Innovationsmanagement mit Schwarmintelligenz. München, Wien : Hanser, 2010. – ISBN 978-3-446-42334-3

Open Innovation Monitor 2012: http://innovationsgesellschaft.ch/media/archive2/oim/OIM_Whitepaper.pdf

SWISS ENGINEERING : Crowdsourcing – Innovationsmanagement für KMU. Jan/Feb. 2011