Was wir von der Crowdsourcing Week 2013 lernen können #CSW13

Die erste, globale Crowdsourcing Konferenz ist bereits Geschichte. An der Crowdsourcing Week wurde darüber diskutiert, wie Crowdsourcing und Open Innovation eine Schlüsselrolle für den Unternehmenserfolg spielen können (Epi Ludvik Nekaj). Themen waren u.a. Crowdfunding, Crowdsourcing Marketing und Crowdsourcing Legislation.

logo

Crowdsourcing ist…

… “about tapping into the hearts and minds of many to achieve something” (Shelley Kuipers @shellykuipers)

… “all about inviting people in” (David Berkowitz von i360. @dberkowitz)

… “the next social media?” (Sean Moffitt von Wiki Brands @SeanMoffitt)

… „a corporation’s way of trying to focus the otherwise random feedback from consumers onto a particular task.“ (Douglas Rushkoff, Present Shock)

…about harnessing communities (Farah Sidek)

…social with a purpose (Farah Sidek)

…exploding (Farah Sidek)

Die Vorteile

Ross Dawson, Autor von Getting Results From Crowds: The definitive guide to using crowdsourcing to grow your business“, meinte, in der Offenheit und Kreativität der Crowd stecke für Organisationen sehr viel Potential. Shelley Kuipers von Chaordix fügte hinzu, dass Crowdsourcing gerade aufgrund der weltweit abnehmenden Ressourcen einen wachsenden Trend darstelle. Crowdsourcing erlaube es, Innovationen und Marketing voranzutreiben (@fpetavy of @eYeka). Ein wesentlicher Vorteil von Crowdsourcing liege in „ the unique value from co-creation.” (@RossDawson)

Die Voraussetzungen

  • Respekt gegenüber der Community (Shelley Kuipers @shellykuipers)
  • Die Teilnehmenden sollen für ihren Einsatz belohnt werden. (@MayaBogle)
  • Auch sollte das Geistige Eigentum der Künstler geschützt sein. (@MayaBogle)
  • Auf Mails etc. der Community innerhalb weniger Stunden antworten (Brendan Goh von @pirate3d)
  • Easy action, fun reward, clear impact (@aseemkthakur)

Die Beispiele

Crowdfunding: Sean Moffitt stellte die aussergewöhnliche Kampagne zum Film „Veronica Mars“ vor. Der Film wurde über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter finanziert und generierte mehr als 5 Mio. US $.

Crowdsourced Marketing: Daneben präsentierte Moffitt “Main Street Matters”, eine Marketing-Kampagne des Farbherstellers Benjamin Moore: Mittels Crowdsourcing wird entschieden, welche Gebäudereihen an Hauptstrassen in Amerika einen Neuanstrich verdient haben. Die User entscheiden zudem, in welchen Farben diese Shops gestrichen werden sollen. Auch David Berkovitz beschrieb in seiner Präsentation bekannte Kampagnen und fokussierte dabei auf die Werbung durch die Crowd bzw. Crowdsourcing Marketing.

Crowdsourced Engineering: Alkarim Nasser von Bnotions hielt eine Präsentation zum Thema  “Crowdsourced Engineering For Non-Profits.” Dabei erzählte er von der Bewegung Hack for a Cause. Mehr als 100 Programmierer und Designer gestalten in sogenannten Hackatons über Nacht kostenlos Software-Produkte für einen guten Zweck. Nasser stellte zudem die Non-profit Organisation Yorkville Media Centre vor, welche Lernressourcen (Videos, Workshops, Hackatons, etc.) zu Technologien für jedermann und –frau zugänglich machen möchten.

Crowdsourced Legislation: Ross Dawson sprach von Crowdsourced lawmaking. Das Crowdsourcing-Projekt des Open Ministry von Finnland zielt darauf ab, die Gesetzgebung an die Crowd auszulagern und dadurch eine aktivere Teilnahme der Bürger an der Politik zu bewirken. Die Bürger können seit 2012 elektronisch oder über die Bibliotheken Initiativen einreichen, die dann vom Parlament besprochen werden u.U. als Gesetz verabschiedet werden.

Mehr zur Crowdsourcing Week Singapur gibt es hier und hier zu lesen. Ausserdem ein guter Artikel im Forbes der das Thema Crowdsourcing zusammenfasst hier.

 

Quellen:

CrowdsourcingLi (2013): Recap of Crowdsourcing Week 2013 Singapore. Verfügbar unter: http://storify.com/CrowdsourcingLi/how-npos-profit-from-crowdsourcing-week-singapore

Crowdsourcing Week (2013): Crowdsourcing Week Blog. Verfügbar unter: http://crowdsourcingweek.com/blog/

Goh, Daniel (2013): Crowdsourcing Week – Crowdsourcing Soon To Come Of Age In Asia. Verfügbar unter: http://www.youngupstarts.com/2013/06/07/singapore-crowdsourcing-week-crowdsourcing-soon-to-come-of-age-in-asia/

Meek, Teresa (2013): Crowdsourcing: Great For Your Business (A Handy Primer). Verfügbar unter: http://www.forbes.com/sites/netapp/2013/06/06/crowdsourcing-for-business/

Sidek, Farah (2013): Harnessing Community Wisdom: 3 Takeaways from Crowdsourcing Week 2013. Verfügbar unter: http://wearesocial.sg/blog/2013/06/harnessing-community-wisdom-3-takeaways-crowdsourcing-week-2013/

http://crowdsourcingweek.com/day-1-recap-best-practices-for-brand-engagement/

http://eventifier.co/event/csw13/slides

Zur Nachahmung empfohlen… Von Menu-Karten, Ideenwettbewerben und Crowdsourcing in Non-Profit-Organisationen

DuBischDra

(picture credit: esociety.net)

Während die Good-Practice Beispiele zeigen, dass heute alle namhaften Marken Crowdsourcing betreiben, ist es für Non-Profit-Organisationen wichtig, vergleichbare Institutionen und Projekte zu kennen.

Du bisch dra“ das Projekt des Landesmusem Lichtenstein ist ein Beispiel dafür, wie auch Non-Profit-Organisationen die Crowd nützen können. „Du bisch dra“ war ein Ideenwettbewerb für das Landesmuseum der Zukunft. Gesucht wurden Ideen in zwei Kategorien. Zum einen ging es um die kreativste Idee, die nicht umsetzbar sein musste, sondern möglichst kreativ, innovativ und neu. Zum anderen gab es aber auch die Kategorie der nützlichsten Idee: Diese musste zwingend auch realisierbar sein. Bewertet wurden die Ideen über die Anzahl Likes der anderen User und einer vierköpfigen Fachjury. Speziell: Jede Woche gab es einen Wochensieger, nämlich die Idee mit den meisten Likes der Woche. Gesponsert wurden die Preise von verschiedenen Restaurants und Geschäften aus der Region.

Das Schöne am Projekt aus Lichtenstein: Auch wenn mit der Universität Lichtenstein ein professioneller und fachkompetenter Partner das Projekt mitkonzeptioniert hat, ist es einfach und fassbar geblieben und dient somit als ausgezeichnetes Beispiel für andere NPOs. Es muss nicht immer ein riesiges Werbebudget oder ein grosser Name dahinter stehen. Ebenfalls interessant ist der grosse Spielraum der den Ideen gelassen wurde: In der Kategorie „kreativste Idee“ gab es keinerlei Einschränkung.

menu

(picture credit: http://menus.nypl.org/)

Ein ganz anderes Konzept verfolgt die New York Public Library mit dem Projekt „New York Public Library’s Menu Collection“. Hier wird die Crowd zur Transkription von rund 45‘000 digitalisierten Menu Karten benötigt. Gang für Gang können alle die gerne mitmachen möchten, die einzelnen Speisen übersetzen. Die ältesten Speisekarten stammen aus den Jahren um 1840 und sind somit wichtige Zeitzeugen für Historiker, Biologen und Ernährungswissenschaftler aber auch für Privatpersonen ohne wissenschaftlichen Forschungszweck.

Die Menu Collection ist mit Bestimmtheit das grösste und bekannteste Bibliotheks-Crowdsourcing-Projekt. Die Erfolgsfaktoren scheinen hier klar auf der Hand zu liegen: Essen und Kochen ist seit Jahren im Trend, die Masse kann sich demnach gut mit dem Thema identifizieren, es ist kaum Fachvokabular notwendig und der Aufwand pro Transkription hält sich durch die Unterteilung in verschiedene Speisen in Grenzen. Auch hier steht die Einfachheit im Vordergrund.

Eine Belohnung oder einen Preis gibt es nicht. Hier zählt einzig und allein der Mitmach-Gedanke. Zudem ist die NYPL eine der berühmtesten Bibliothek der Welt und verfügt deshalb auch über ein riesiges Netzwerk aus Fans, Nutzern und Unterstützern.
Gerade solche Projekte werden zukünftig in der Bibliothekswelt noch öfters anzutreffen sein.

Quellen:
http://menus.nypl.org/about
http://hastac.org/blogs/ecornell1/2011/11/20/crowdsourcing-new-york-public-librarys-menu-collection
http://legacy.www.nypl.org/research/chss/grd/resguides/menus/
http://www.esociety.net/?p=2036

http://www.buero-dlb.ch/de/archiv/multimedia-und-internet/crowdsourcing-im-liechtensteinischen-landesmuseum

Mit gutem Beispiel voran. Good Practice in Crowdsourcing

Crowdsourcing-Projekte haben viele Gesichter und sind dementsprechend vielseitig. Trotz der bereits zitierten Schwierigkeiten mit Crowdsourcing im Finanz- oder Versicherungswesen und Zurückhaltung der Chemiebranche gibt es mittlerweile unzählige Beispiele für exzellente Anwendungen von Crowdsourcing.

(picture credit: npl.co.uk)

(picture credit: npl.co.uk)

Die Anwendungen können von Wissenssammlungen über Ideenfindung oder Produkteentwicklung  bis zu Strategiekonzeptionierungen reichen. Die Liste der Top Brands, die bereits Crowdsourcing eingesetzt haben, könnte daher unzählig erweitert werden: Pepsi, Cola, IBM, BMW, Intel, Google, McDonald…. Selbst Disney hat bereits seine Kunden um Hilfe gebeten.

Auch wenn es vielen Nutzern nicht bewusst ist, gehört die Online-Enzyklopädie Wikipedia zu einem der bekanntesten Crowdsourcing-Beispielen. Jeder kann daran teilnehmen, profitieren und sich durch das Zusammentragen von Wissen profilieren. Andrew Lih dazu in seinem Buch ‚The Wikipedia Revolution’:

„Wikipedia led the way in demonstrating that the collaborative accumulation of knowledge was not only feasible but desirable. [It …] made recording human history a revolutionary, collaborative act.“

Wissen von vielen für viele, ein Konzept das bereits lange vor dem Crowdsourcing-Hype der letzten Jahre eingeschlagen hat.

Abgekupfert von Wikipedia ist Migipedia, das Kundenforum des Grossverteilers Migros. Hier sind die Kunden und Marketingfachleute auf Du und Du. Ideen für Produktentwicklungen, Verbesserungen oder Anregungen zu Dienstleistungen können eingegeben und von anderen Kunden mitbewertet werden.

(picture credit: unseraller.de)

(picture credit: unseraller.de)

Ein Beispiel für eine spezifische Produkteentwicklung ist die Entwicklung des Balea Douchegels „Eisschimmer“ des Drogeriemarktes dm. Verpackungsdesign, Duftvorschläge und Namensgebung kamen von Kunden innerhalb „unser Aller“, einer Facebook-Crowdsourcing-Anwendung. Die Erfolgsstory sowie weitere Crowdsourcing-Kampagnen können hier nachgelesen bzw. verfolgt werden.

Neben dem eigentlichen Sammeln der Ideen kommt fast ebenso häufig Crowdfunding zum Einsatz. Die weltweit führende Plattform zur Finanzierung von Projekten durch eine Community ist kickstarter.com. Vor allem Projekte aus den Bereichen Kunst, Games, Musik, Film und Verlagswesen wurden bisher finanziert – insgesamt waren es 2012 mehr als 18 000 erfolgreich realisierte Projekte. Die Zahlen sprechen für sich: Mehr als 2 Millionen User beteiligten sich 2012 an Projekten und bereits der zweite Spielfilm, der über Kickstarter finanziert wurde, war für einen Oscar nominiert.

Fazit: Mit Crowdsourcing können Kunden aktiv in die Ideenfindung oder Produkteentwicklung einbezogen werden. Daneben können grössere Arbeiten auf eine Community aufgeteilt (Microworking) oder Projekte finanziert werden (Crowdfunding). Das Fallbeispiel „Cards against Humanity“ zeigt jedoch auch auf, wie wichtig neben einem guten Projekt die Pflege der Community ist: Die Nutzer sind bereit, Ideen einzubringen, Projekte zu finanzieren, an grösseren Aufgaben mitzuarbeiten oder Produkte zu entwickeln, im Gegenzug erwarten sie Unterhaltung, regelmässige Informationen aus erster Hand, Anerkennung innerhalb der Community oder auch eine finanzielle Beteiligung.

Quellen:

Crowdsourcing.org (2012): 10 of the 11 Best Global Brands use Creative Crowdsourcing. Verfügbar unter: http://www.crowdsourcing.org/editorial/10-of-the-11-best-global-brands-use-creative-crowdsourcing-/16935

Direkt+ (2012): Mitmach-Marketing: Beispiele erfolgreicher Crowdsourcing-Kampagnen. Verfügbar unter: http://www.direktplus.de/praxistipps/mitmach-marketing-crowdsoucing/beispiele-erfolgreicher-crowdsourcing-kampagnen/

Eyeka Worldwide (2012): eYeka Coca-Cola, „Energizing Refreshment“ Co-Creation Project. Verfügbar unter: http://www.youtube.com/watch?v=E0ytXnf47CQ

Google (2010): Googley Art Wall Contest. Verfügbar unter: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=i0kcuRiu7y4

IBM (2010): JAM events. Verfügbar unter: https://www.collaborationjam.com/

Kickstarter (2013): Kickstarter. Verfügbar unter: http://www.kickstarter.com/

Kickstarter (2013): Case Study: Cards Against Humanity. Verfügbar unter: http://www.kickstarter.com/blog/case-study-cards-against-humanity

Kickstarter (2011): Incident in New Baghdad. Verfügbar unter: http://www.kickstarter.com/projects/1941167757/incident-in-new-baghdad-oscar-qualifying-la-releas?ref=yir2012

Kickstarter (2013): The Best of Kickstarter 2012. Verfügbar unter: http://www.kickstarter.com/year/2012?ref=footer

Localmotors (2012): Local Motors and BWM Urban Driving Expercience Challenge Design. Verfügbar unter: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=l0NDnVsiuLM#!

Migros (2008): Migipedia. Verfügbar unter: http://www.migipedia.ch/de/

Pepsi (2010): The Pepsi Refresh Project. Verfügbar unter: http://www.youtube.com/watch?v=srY7Wkl2IbI

Robert Rekece, Robert, Zimmermann, Hans-Dieter, Meili, Christoph (2012): Open Innovation Monitor 2012. Verfügbar unter: http://innovationsgesellschaft.ch/media/archive2/oim/OIM_Whitepaper.pdf

Schneider, Burkhard: Megatrend Crowdsourcing. Verfügbar unter: http://de.slideshare.net/bestpracticebusiness

VivaKi (2012): Razorfish Germany „My Burger“. Verfügbar unter: http://vimeo.com/40618555