Auf los gehts los… Crowdsourcing in der Stadtbibliothek Baden

… ganz so einfach ist es dann eben doch nicht, wie sich beim Crowdsourcingversuch der Stadtbibliothek Baden zeigt. Aber zuerst einmal zu den Voraussetzungen:

biblio_bild6_gr

picture credit: Stadtbibliothek Baden, Erdin & Koller Architekten

Das Angebot der Stadtbibliothek umfasst ca. 65 000 Medien in 11 Sprachen. Neben dem physischen Bestand wird seit 2012 auch auf eBooks gesetzt.

Veranstaltungen, ruhige Lern- und Arbeitsplätze sowie Einführungen und Schulungen runden die Angebotspalette ab. Mit einer Wochenöffnungszeit von 58 Stunden bilden wir uns ein sehr benutzerfreundlich zu sein. Aber stimmt das? Decken sich Eigen- und Kundenwahrnehmung? Ein Grund mehr mit Hilfe eines Crowdsourcingversuches mehr zu erfahren….

Die Möglichkeiten schienen grenzenlos: Über Crowdsourcing könnte man endlich auch die Nicht-Nutzer miteinbeziehen. Da vor allem die Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen kaum den Weg in die Bibliothek finden, könnte mit Crowdsourcing ein Draht zu genau diesen Gruppen hergestellt werden.

Um richtig durchstarten zu können, ist es wichtig anfangs klar die Zielgruppe zu definieren und diese beim weiteren Verlauf des Projektes nicht aus den Augen zu verlieren. Auch beim Erstellen der Fragestellung an die Crowd. Wer etwas von Teenagern wissen möchte, muss auch dementsprechend kommunizieren, die Kanäle auswählen und die Anreize der Zielgruppe gerecht gestalten.

Konkret heisst das:

1. Welche Zielgruppe wollen wir erreichen?

2. Fragestellung klar definieren, wie weit darf die Crowd gehen?

3. Die Rechte an der Idee müssen klar geregelt sein

4. Anreize schaffen! Was winkt als Belohnung?

5. Werbung fürs Projekt: Wo kann zielgruppengerecht Werbung zum Mitmachen angebracht werden?

6. Professionalität: Eine geeignete Crowdsourcingplattform muss vorausgesetzt werden können

7. Wenn die Crowd doch nicht helfen sollte, geht die Welt nicht unter

Neben relevanten Qualitätsmerkmalen für gutes Crowdsourcing mussten aber auch die internen Abläufe und Kommunikationswege eingehalten werden, ohne dabei an Innovation und Ideenreichtum einzubüssen.

In den kommenden Wochen wird dieser Blog über die Vorbereitungen, Hemmnisse und Ergebnisse des Versuches berichten. Mitmachen ist jederzeit möglich unter: http://www.facebook.com/stadtbibliothekbaden oder www.unserAller.de

Quellen:

http://blogs.hbr.org/cs/2010/09/generating_business_ideas_from.html

http://www.stadtbibliothek.baden.ch

Jahresbericht der Stadtbibliothek Baden (2011)

Advertisements

Vom Hype zum strategischen Einsatz: Mit Crowdsourcing zu mehr Innovativität, Profit und besserer Kundenbindung

strategy_edit2

(picture credit: dreamscapemarketing.com)

Der hohe Stellenwert von Innovationen, verbunden mit einem verstärkten Innovationsdruck und der intensiven Zusammenarbeit von Unternehmen und deren Mitarbeitenden sowie Kunden sprechen für Crowdsourcing. Voraussetzung für funktionierendes Crowdsourcing ist wie bei Open Innovation eine offene Firmenkultur. Die Komplexität von Crowdsourcing macht zusätzlich eine Crowdsourcing-Strategie erforderlich. Es gilt folgende Fragen zu klären:

  • Was ist Ihr Ziel bzw. was erhoffen Sie sich von Crowdsourcing? Je nach Ziel ist ein anderes Crowdsourcing-Instrument sinnvoll. Mögliche Ziele: Verbesserung von Produkten oder Dienstleistungen, Erhöhung der Kundenbindung oder Outsourcing von Forschung & Entwicklung
  • Welche der folgenden Crowdsourcing-Instrumente möchten Sie einsetzen?

Crowd-Voting: Das Urteil der Crowd wird genutzt um Zeitungsartikel, Musik oder auch Filme nach einem Ranking zu ordnen. Beispiel: Die Algorithmen (Page Rank), die Google nutzt, um die Suchresultate nach Relevanz zu ordnen. Crowd-Voting wird ebenfalls als Marketing-Instrument genutzt, wo die User über die eingereichten Ideen und Projekte abstimmen und diese bewerten können.

Crowd Wisdom: Basierend auf dem Modell der Crowd Intelligence wird davon ausgegangen, dass die Crowd immer innovativere Ideen hervorbringt als eine Gruppe von Mitarbeitenden oder Experten. Es geht vor allem darum, durch eine grosse Masse bessere Entscheidungen zu treffen oder mehr Wissen zu generieren. Ein Beispiel wäre hier Wikipedia.

Crowdcreation: Dazu gehören Aktivitäten wie Werbefilme herstellen, Übersetzungen machen oder wissenschaftliche Probleme lösen. Dieses Instrument wird oft mit Crowd-Voting kombiniert. Zuerst sollen die User Inhalte erstellen, danach stimmen sie über die Ergebnisse ab und wählen die besten Arbeiten bzw. Projekte. Beispiel: Threadless.com, wo User in Form eines Wettbewerbs Ideen für den Aufdruck von T-Shirts eingeben können.

Crowdfunding: User kooperieren miteinander und legen ihr Geld zusammen um einzelne Personen oder Gruppen zu unterstützen, die auf traditionelle Weise keinen Kredit oder Sponsoring erhalten würden. Beispiel: Kiva basiert auf Mikrokrediten, die User aufstrebenden Unternehmern in ärmeren Ländern ausleihen. Sobald die Unternehmer finanziell unabhängig sind, bezahlen sie die Kredite wieder zurück.

  •  Was ist Ihre Zielgruppe? Handelt es sich dabei um Experten oder Laien? Wem gehören die generierten Ideen oder Produkte? Hier gilt es, Fragen zum Geistigen Eigentum zu berücksichtigen.
  • Wie belohnen Sie die Beteiligten? Die Herausforderung besteht darin, die freiwillig Beitragenden über längere Zeit zur Mitarbeit zu motivieren (Chanal, 2010).
  • Wie erzeugen Sie Gewinn?
  • Wie viel Ressourcen möchten Sie für Crowdsourcing aufwenden? Wer ist dafür verantwortlich? Aufgrund der Anonymität und dem Grad der Einbindung der Crowd empfiehlt es sich, diese zu leiten. Einerseits ermöglicht dies, den Entwicklungsprozess in die vom Unternehmen gewünschte Richtung zu lenken und andererseits können die Teilnehmenden dazu motiviert werden, das Geschäftsmodell einer privaten Firma zu unterstüzten.
  • Wer wertet die Ideen aus und entscheidet, welche Produkte oder Ideen umgesetzt werden? Die Ideen-Flut auszuwerten ist zeit- und kostenintensiv. Die Firma sollte zwischen den folgenden Herangehensweisen abwägen:

Auswahl der Ideen durch die Crowd. Vorteile: Es können interne Ressourcen eingespart werden. Ausserdem vertritt die Crowd ihre Anliegen, was zu einer besseren Akzeptanz des Produkts auf dem Markt führt.

Auswahl der Ideen durch ein internes Expertenteam. Vorteil: Die internen Mitarbeitenden kennen die Abläufe und Strukturen des Unternehmens und können dadurch die Machbarkeit der Ideen besser beurteilen.

Grundsätzlich eignet sich Crowdsourcing gut um das Innovationspontial zu steigern, Entwicklungskosten zu minimieren oder Schwächen des internen Innovationsmanagements zu verringern (Schuurmann et al., 2012). So können mit Crowdsourcing interne Strukturen aufgebrochen und Innovationsprozesse geöffnet werden. Studien belegen denn auch, dass durch Crowdsourcing generierte Ideen innovativer, profitabler und besser auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten sind.

Quellen:

Chanal, Valérie; Caron-Fasan, Marie-Laurence (2010): The Difficulties involved in Developing Business Models open to Innovation Communities: the Case of a Crowdsourcing Platform. In: Management, 13 (4), 318-341.

Schuurmann, Dimitri et al. (2012): Smart Ideas for Smart Cities: Investigating Crowdsourcing for Generating and Selecting Ideas for ICT Innoation in a Citiy Context. In: Journal of Theoretical and Applied Electronic Commerce Research, 7 (3), 49-62.

Tricider: How Crowdsourcing is used? Verfügbar unter: https://tricider.com/en/Crowdsourcing-Strategies/?wicket:pageMapName=wicket-0