Bibliotheken als Wissenszentren gestern und heute – mittels Crowdsourcing

Braucht es noch Bibliotheken oder verlieren Bibliotheken aufgrund der Digitalisierung an Bedeutung? Wie können Bibliotheken mittels Crowdsourcing ihrem Auftrag als Wissensspeicher gerecht werden?

Bibliotheken galten lange als Wissenszentren. Ihr Auftrag ist es, den freien Zugang zu Information sicherzustellen (Art. 17 BV, vgl. ebenfalls „Strategie des Bundesrats für eine Informationsgesellschaft in der Schweiz 2012). Mit der Verbreitung des Internets kommt jedoch immer mehr die Frage auf, ob es Bibliotheken noch braucht. Schliesslich kann jeder User kostenlos, schnell und von überall auf der Welt Wissen im Internet recherchieren und sein Wissen bzw. seine Erfahrungen mit anderen teilen. Bei Wissensfragen sind daher nicht Bibliotheken die erste Anlaufstelle sondern meistens die Suchmaschine Google. Dabei geht vergessen, dass Suchmaschinen längst nicht das ganze World Wide Web erreichen sondern nur einen kleinen Teil davon wiedergeben (siehe Deep / Invisible Web). Beschränken sich Recherchen auf das Internet führt dies somit zwangsläufig zu einer Schmalspur-Rezeption des vorhandenen Wissensfundus und schlussendlich zu Schmalspur-Wissen.

Digitalisierung als Chance

Mit ihrem umfassenden Kulturangebot sind Bibliotheken geradezu „prädestiniert dafür, […] die Qualität der im Internet angebotenen Information zu bereichern. Diese Möglichkeit haben sie bereits seit längerem auch erkannt und damit begonnen, Medienbestände zu digitalisieren. Die Digitalisierung ermöglicht letztlich eine von ihrem ursprünglichen physikalischen Speicher unabhängige Präsentation der Inhalte“ (Mattauch). Dadurch entfallen die zeitlichen und räumlichen Beschränkungen des Medienzugriffs und es ergeben sich neue Möglichkeiten in der Archivierung von Kulturgütern.

Eines der zurzeit grössten Crowdsourcing-Projekte, das sich mit der Archivierung von Kulturgütern befasst ist die Europeana. Ziel ist es, mit Hilfe der Bevölkerung sowie zahlreichen Bibliotheken, Archiven und Museen Erinnerungsstücke und Geschichten aus der Zeit des Ersten Weltkriegs (1914-1918) zu sammeln und zu digitalisieren und somit der ganzen Bevölkerung bereitzustellen. User können Beiträge direkt über die Online-Plattform Europeana eingeben oder die Objekte an den Aktionstagen vorbeibringen, wo diese dann fotografiert werden.

Den Nutzen der Wissensschätze, die in den Bibliotheken schlummern, hat auch Wikipedia entdeckt. In Zusammenarbeit mit Bibliotheken wurde daher die Kampagne “Wikipedia loves libraries” lanciert. Wikipedianer trafen sich in öffentlichen Bibliotheken zu einem „Edit-Athon“ und verfassten oder bearbeiteten mit Hilfe der Bibliotheksressourcen (Bücher, Dokumente etc.) zahlreiche Wikipedia-Einträge. Die Kampagne hat für beide Seiten Vorteile: Wikipedia, die wegen falschen oder unvollständigen Einträgen in der Kritik stand profitiert ebenso wie die Bibliotheken, deren vielfältigen Ressourcen immer weniger genutzt werden. Tony Vernon, einer der Organisatoren, meint dazu: “Libraries want people to learn and have quality information, and this [campaign] is a tool to enable people to use that information more efficiently.”

Fazit: Bibliotheken haben Wissensschätze, die zwar immer weniger genutzt werden, die das im Internet auffindbare Wissen jedoch sinnvoll ergänzen würden. Die Digitalisierung ermöglicht es den Bibliotheken, diese Schätze der ganzen Bevölkerung zugänglich zu machen. Wie die geschilderten Projekte zeigen, bietet Crowdsourcing den Bibliotheken neue Möglichkeiten, ihrem Auftrag gerecht zu werden: Mit der Crowd können historische Dokumente gesammelt und der breiten Masse zugänglich gemacht werden und es entstehen neue Nutzungsmöglichkeiten der Bibliotheksressourcen.

Quellen:

Mattauch: Universale Wissensspeicher – die Vision digitaler Bibliotheken. Verfügbar unter: http://www.joint-research.org/begleitforschung/diskussionen/universale-wissensspeicher-die-vision-digitaler-bibliotheken/

SinhaRoy, Sanhita (2011): Libraries Tap into Crowd Power. Verfügbar unter: http://americanlibrariesmagazine.org/news/11012011/libraries-tap-crowd-power

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