Das zweischneidige Schwert von Crowdsourcing Innovation

Crowdsourcing liegt im Trend. Doch bekanntlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Wir möchten daher in folgendem Beitrag neben den Chancen von Crowdsourcing besonders die Risiken betrachten.

(picture credit: tommy.developer)

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3 Gründe, die für Crowdsourcing sprechen

  • Indem bei Crowdsourcing externes Wissen miteinbezogen wird können Kosten in der Forschung und Entwicklung eingespart werden.
  • Mittels Crowdsourcing können Schwächen von internen Innovationsmethoden umgangen werden. Der Einbezug von externen Usern wirkt beispielsweise der Betriebsblindheit entgegen.
  • Kleine Unternehmen profitieren besonders, denn diese haben normalerweise keine Ressourcen um F&E zu betreiben und ihnen fehlt das Wissen über Outsourcing. Crowdsourcing-Plattformen wirken hier ausgleichend. Sie bieten kleinen Unternehmen Zugang zu einer innovativen Community, die schnell und kostengünstig Ideen entwickeln kann. Dadurch können kleinere Unternehmen besser mit grösseren Firmen mithalten.

Die Herausforderungen und Risiken

Crowdsourcing stellt hohe Anforderungen an das Management. Hightech-Tools zur Zusammenarbeit im Innovationsbereich führen zu einem Paradigmenwechsel: Sie fördern und bedingen gleichermassen eine offene Betriebskultur. Hinzu kommt die Diskrepanz zwischen den flexiblen, nicht hierarchischen Strukturen in Online Communities und den klassischen hierarchischen Strukturen und geordneten Abläufen wie sie in grösseren Unternehmen anzutreffen sind. All dies erfordert ein Umdenken: Abläufe und Strukturen müssen von Grund auf neu durchdacht werden. Des Weiteren gibt es noch wenige Studien zum Einsatz von Crowdsourcing, die das Risikomanagement miteinschliessen. Wie beim Innovationsmanagement selbst muss beim Crowdsourcing nach dem Versuchs-und-Irrtumsverfahren vorgegangen werden, weil die Erfahrungen damit noch fehlen.

Zudem kann der grosse Vorteil von Crowdsourcing auch schnell zum Nachteil werden:

“Technology is playing a big role in generating ideas. It gives everyone a voice. There’s such an inundation of ideas that you often end up with this cacophony of opinions and no clear point of view.” R. Lemuel Lasher, Chief Innovation Officer, CSC

Durch Crowdsourcing können in kurzer Zeit viele Ideen generiert werden. Doch die Verwaltung der Ideen, deren Unterscheidung in relevante und unbrauchbare Ideen, ist eine anspruchsvolle, intellektuelle Arbeit. Diese muss aufgrund der Komplexität von erfahrenen Menschen erledigt werden und ist daher kostenintensiv. Daher gilt es, nicht nur Ideen zu sammeln, sondern die Community bereits während der Ideen-Generierung zu begleiten und in die vom Unternehmen gewollte Richtung zu führen. Diese Moderation ist ebenfalls aufwändig, dadurch kann die Qualität der Ideen jedoch erheblich gesteigert werden. Schliesslich ist es nicht damit getan, möglichst viele Ideen zu erhalten, sondern Informationen in hoher Qualität zu generieren.

R. Lemuel Lasher kritisiert hinsichtlich der Qualität die Tiefe und Relevanz der Ergebnisse, die Ideen würden oft nur an der Oberfläche kratzen. Crowdsourcing eignet sich denn auch weniger für die Lösung komplexer Probleme sondern ist eher für die Ideengewinnung geeignet.

Grundsätzlich gilt: Je besser die möglichen Problemlöser in die Aspekte eines Problems eingeweiht sind, desto besser die Lösung. Dies bedeutet jedoch auch, dass geistiges Eigentum der Firma preisgegeben wird. Der Verlust geistigen Eigentums kann kaum ausgeschlossen, durch entsprechende Verträge jedoch eingegrenzt werden. Auch gilt es zu definieren, ob und welchen Anteil die Community an den mitentwickelten Ideen hat.

Fazit: Crowdsourcing bietet viele Vorteile aber auch neue Herausforderungen. So braucht es noch viel Forschungsarbeit in den Bereichen Risiko- und Innovationsmanagement. Die Risiken von Crowdsourcing sind bekannt (vgl. Souza, Ramos, Esteves), es fehlen jedoch konkrete Massnahmen um diese Risiken zu bewältigen. Offen bleiben auch die Fragen, wie die Rendite (ROI) von Crowdsourcing gemessen werden kann und wie sich die Motivation der Community über längere Zeit aufrechterhalten lässt.

Quellen:

Glinska, Malgorzata; Halliday, Amy (2013): The Double-Edged Sword of Collaboration Technologies. In: Batten Briefings.

Kaganer, Evgeny et al. (2013): Managing the Human Cloud. In: MIT Sloan Management Review, 54 (2).

Souza, Liêda; Ramos, Isabel; Estevees, José: Managing Risks of Crowdsourcing Innovation: An Action Research in Progress

Crowdsourcing-Plattformen als Bindeglieder zwischen Usern und Unternehmen

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(picture credit: mashable.com)

Crowdsourcing-Plattformen schiessen zurzeit wie Pilze aus dem Boden. Für jeden Bereich gibt es solche Plattformen, sei es für das Design von Webseiten, Datenmanagement oder die Finanzierung eines Musikalbums. Die Plattformen treten dabei als Mittler zwischen Unternehmen / Organisationen und einer Community auf. Zum einen gibt es die Crowdfunding-Plattformen auf denen Künstler oder Organisationen ihre Projekte vorstellen und User diese mitfinanzieren können. Zum anderen die Human-Cloud-Plattformen, wo ein Pool von virtuellen Arbeitskräften auf Auftrag verschiedene Dienste für interessierte Unternehmen ausführt.

“While brands have been seeking ideas from consumers through TV and on social media profiles, crowdsourcing platforms and agencies are setting up and positioning themselves as cost-effective ways to gather content.” (Seb 2012)

Unternehmen wie Unilever, Procter & Gamble und Kia wenden sich an Mittler statt Facebook oder Twitter, weil sie sich durch solche Plattformen schneller innovativere Ideen erhoffen. Andere Unternehmen zögern hingegen noch, Crowdsourcing anzuwenden. Zum einen fürchten sie den Verlust von geistigem Eigentum, zum anderen war es lange Zeit schwierig, komplexe Prozesse auszulagern. Um die Bedürfnisse der Unternehmen besser zu befriedigen, entwickelten grössere Plattformen 4 Geschäftsmodelle. Mit diesen können auch komplexe Projekte koordiniert sowie der Verlust von geistigem Eigentum minimiert werden:

  • Beim „Faciliator Model“ wird die Anonymität der User reduziert. Unternehmen haben Zugang zu Informationen über die User wie Lebensläufe, Fähigkeiten und erfüllte Aufgaben. Teilweise können die Unternehmen die Kandidaten interviewen, bevor sie diese anstellen. Ebenso werden die Arbeitsprozesse transparent gemacht. Die Plattform Elance bietet beispielsweise Projektmanagement-Werkzeuge an, mit denen Meilensteine erstellt, Berichte über den Projektstatus versandt oder auch erreichte Meilensteine mit Bezahlungen verknüpft werden können. // Beispiele: Elance, oDesk
  • Das „Arbitrator Model“ eignet sich für unstrukturierte und komplexe Arbeiten, die Expertenwissen erfordern wie Design sowie Forschung und Entwicklung. Das Modell bietet Unternehmen je nach Bedarf Zugang zu einer spezialisierten Community, wo die  spezialisierten User über einen Wettbewerb ausgewählt und für ein Projekt engagiert werden können. Ein grosser Vorteil für Unternehmen: Sie zahlen nur für die wertvollsten bzw. brauchbarsten Inputs. // Beispiele: crowdSPRING, InnoCentive
  • Für grössere, jedoch einfache, repetitive Aufgaben wie das Vergeben von Tags oder das Aufräumen von Kontakt-Datenbanken eignet sich das „Aggregator Model“. Über eine einzige Oberfläche können Unternehmen Arbeiten auf eine grosse Anzahl von Usern aufteilen. // Beispiele: Amazon Mechanical Turk, NASA Clickworkers.
  • Für hoch-komplexe Projekte eignet sich das “Governor Model”. Durch die Kombination von Projektmanagern und einer ausgeklügelten Software sollen individuelle Aufgaben aufeinander abgestimmt und koordiniert werden. Plattformen mit diesem Modell bieten ausgefeilte Projektmanagement-Methoden an wie sie auch offline innerhalb eines Unternehmens angewendet werden. Aufgaben von Unternehmen können gesammelt, in einzelne Aufgaben aufgeteilt und an verschiedene User verteilt werden. Daneben schliesst dieses Modell auch das Controlling sowie die Qualitätskontrolle der erfüllten Aufgaben mit ein. // Beispiel einer Plattform, die auf dem Governor Model beruht: TopCoder

Durch die 4 Geschäftsmodelle können Unternehmen die Risiken von Crowdsourcing auf die Plattformen abwälzen: Die Plattform wird zum ersten Kontaktpunkt für das Unternehmen und trägt die Verantwortung für projektbezogene Risiken.

Weitere Beispiele für Crowdsourcing-Plattformen gibt es hier, hier und hier.

Kaganer, Evgeny et al. (2013): Managing the Human Cloud. In: MIT Sloan Management Review, 54 (2).

Seb, Joseph (2012): Brands delve deeper into crowdsourcing. In: Marketing Week.