Die Crowd erledigt die Arbeit: Microworking in Bibliotheken und Archiven

Wie können Bibliotheken, Archive oder Museen Crowdsourcing einsetzen? Nicht wenige Non-Profit Organisationen kämpfen mit Budgetkürzungen und knappen Ressourcen, da liegt es auf der Hand, neue Wege zu gehen, um Ressourcen zu erschliessen. Eine Möglichkeit ist Microworking. Dabei werden grössere Projekte in kleinere Arbeitsschritte aufgeteilt, die dann von einzelnen Mitgliedern der Crowd gelöst werden. Meist tut dies die Crowd unentgeltlich, die Motivation allein zählt. Ein willkommener Nebeneffekt durch den Einbezug der Crowd ist, dass durch die Crowdsourcing-Kampagnen das Engagement der User gegenüber NPOs gesteigert werden kann. Crowdsourcing ist daher im besten Fall immer auch Marketing…

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(picture credit: The University of Iowa Libraries)

Spätestens seit der bereits hier geschilderten Kampagne „What’s on the Menu?“ der New York Public Library hat Crowdsourcing auch in Bibliotheken Einzug gehalten. Die Universitätsbibliothek von Iowa setzt ebenfalls auf diesen Trend und lässt nach dem Motto „DIY History“ User historische Dokumente transkribieren, sodass diese einer grossen Online-Community zugänglich gemacht werden können. Daneben können auch alte Fotografien mit Informationen angereichert bzw. getaggt werden, sodass diese im Internet besser auffindbar sind. Ein bekanntes Beispiel, wo User ebenfalls historische Fotos beschreiben und kommentieren können ist „Flickr Commons“. Institutionen wie die Library of Congress oder das National Maritime Museum stellen ihre Fotografien auf Flickr zur Verfügung und lassen diese von Usern mit Informationen und Tags anreichern. Die ETH Bibliothek in Zürich hat sich ebenfalls an die Crowd gewandt, um Bilddokumente zu erschliessen: Über einen eigenen Online-Zugriff liess sie Swissair-Pensionäre als freiwillige Experten Bilder aus dem Swissair-Bildarchiv beschreiben. Diese nahmen Datierungen vor, identifizierten Personen und Flugzeuge oder beschrieben Ereignisse wie Erstflüge. Dank des Crowdsourcings sind nun mehr als 14 000 im Detail erschlossene Bilder über die Online-Bilddatenbank der ETH-Bibliothek zugänglich.

Keep it simple

Besonders innovativ war das hier beschriebene Projekt „DigiTalkoot“ der Finnischen Nationalbibliothek. Wie das Beispiel „DigiTalkoot“ zeigt, sind besonders einfache, unterhaltsame Projekte erfolgreich. Die Bibliothek wollte ihre grosse Sammlung von Dokumenten indexieren bzw. beschreiben lassen und das Finnische Kulturgut auf diese Weise online nutzbar machen. Die Dokumente wurden eingescannt und die gescannten Dokumente mittels der Texterkennungsmethode OCR (optical character recognition) in eine Datenbank überführt. Da diese Texterkennungsmethode jedoch sehr fehleranfällig ist und der Computer nicht alle Wörter erkennen kann, mussten viele der gescannten Dokumente von Menschenhand korrigiert werden. Bei dieser aufwendigen Arbeit kam die Crowd zum Einsatz: Bei DigiTalkoot konnten User die gescannten Texte optimieren, einfach dadurch, dass sie Spiele spielten.

Wie kann Crowdsourcing optimal eingesetzt bzw. für die Community attraktiv gemacht werden? Das Beispiel DigiTalkoot könnte die Antwort liefern: Gamification! Indem repetitive Aufgaben als Spiel verpackt werden, kann das Interesse zur Teilnahme sowie die Motivation der Teilnehmer erhöht werden.

Quellen:

Madsen, Christine (2011): Will 2012 be the year of crowdsourcing in libraries? Verfügbar unter: http://christinemadsen.com/2011/will-2012-be-the-year-of-crowdsourcing-in-libraries/

Sarbach, Jun (2012): Souvenirs aus dem Swissair-Fotoarchiv. Verfügbar unter: http://www.ethlife.ethz.ch/archive_articles/120927_Swissair_Fotobuch_js

Crowdsourcing-Plattformen als Bindeglieder zwischen Usern und Unternehmen

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(picture credit: mashable.com)

Crowdsourcing-Plattformen schiessen zurzeit wie Pilze aus dem Boden. Für jeden Bereich gibt es solche Plattformen, sei es für das Design von Webseiten, Datenmanagement oder die Finanzierung eines Musikalbums. Die Plattformen treten dabei als Mittler zwischen Unternehmen / Organisationen und einer Community auf. Zum einen gibt es die Crowdfunding-Plattformen auf denen Künstler oder Organisationen ihre Projekte vorstellen und User diese mitfinanzieren können. Zum anderen die Human-Cloud-Plattformen, wo ein Pool von virtuellen Arbeitskräften auf Auftrag verschiedene Dienste für interessierte Unternehmen ausführt.

“While brands have been seeking ideas from consumers through TV and on social media profiles, crowdsourcing platforms and agencies are setting up and positioning themselves as cost-effective ways to gather content.” (Seb 2012)

Unternehmen wie Unilever, Procter & Gamble und Kia wenden sich an Mittler statt Facebook oder Twitter, weil sie sich durch solche Plattformen schneller innovativere Ideen erhoffen. Andere Unternehmen zögern hingegen noch, Crowdsourcing anzuwenden. Zum einen fürchten sie den Verlust von geistigem Eigentum, zum anderen war es lange Zeit schwierig, komplexe Prozesse auszulagern. Um die Bedürfnisse der Unternehmen besser zu befriedigen, entwickelten grössere Plattformen 4 Geschäftsmodelle. Mit diesen können auch komplexe Projekte koordiniert sowie der Verlust von geistigem Eigentum minimiert werden:

  • Beim „Faciliator Model“ wird die Anonymität der User reduziert. Unternehmen haben Zugang zu Informationen über die User wie Lebensläufe, Fähigkeiten und erfüllte Aufgaben. Teilweise können die Unternehmen die Kandidaten interviewen, bevor sie diese anstellen. Ebenso werden die Arbeitsprozesse transparent gemacht. Die Plattform Elance bietet beispielsweise Projektmanagement-Werkzeuge an, mit denen Meilensteine erstellt, Berichte über den Projektstatus versandt oder auch erreichte Meilensteine mit Bezahlungen verknüpft werden können. // Beispiele: Elance, oDesk
  • Das „Arbitrator Model“ eignet sich für unstrukturierte und komplexe Arbeiten, die Expertenwissen erfordern wie Design sowie Forschung und Entwicklung. Das Modell bietet Unternehmen je nach Bedarf Zugang zu einer spezialisierten Community, wo die  spezialisierten User über einen Wettbewerb ausgewählt und für ein Projekt engagiert werden können. Ein grosser Vorteil für Unternehmen: Sie zahlen nur für die wertvollsten bzw. brauchbarsten Inputs. // Beispiele: crowdSPRING, InnoCentive
  • Für grössere, jedoch einfache, repetitive Aufgaben wie das Vergeben von Tags oder das Aufräumen von Kontakt-Datenbanken eignet sich das „Aggregator Model“. Über eine einzige Oberfläche können Unternehmen Arbeiten auf eine grosse Anzahl von Usern aufteilen. // Beispiele: Amazon Mechanical Turk, NASA Clickworkers.
  • Für hoch-komplexe Projekte eignet sich das “Governor Model”. Durch die Kombination von Projektmanagern und einer ausgeklügelten Software sollen individuelle Aufgaben aufeinander abgestimmt und koordiniert werden. Plattformen mit diesem Modell bieten ausgefeilte Projektmanagement-Methoden an wie sie auch offline innerhalb eines Unternehmens angewendet werden. Aufgaben von Unternehmen können gesammelt, in einzelne Aufgaben aufgeteilt und an verschiedene User verteilt werden. Daneben schliesst dieses Modell auch das Controlling sowie die Qualitätskontrolle der erfüllten Aufgaben mit ein. // Beispiel einer Plattform, die auf dem Governor Model beruht: TopCoder

Durch die 4 Geschäftsmodelle können Unternehmen die Risiken von Crowdsourcing auf die Plattformen abwälzen: Die Plattform wird zum ersten Kontaktpunkt für das Unternehmen und trägt die Verantwortung für projektbezogene Risiken.

Weitere Beispiele für Crowdsourcing-Plattformen gibt es hier, hier und hier.

Kaganer, Evgeny et al. (2013): Managing the Human Cloud. In: MIT Sloan Management Review, 54 (2).

Seb, Joseph (2012): Brands delve deeper into crowdsourcing. In: Marketing Week.

Vom Hype zum strategischen Einsatz: Mit Crowdsourcing zu mehr Innovativität, Profit und besserer Kundenbindung

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(picture credit: dreamscapemarketing.com)

Der hohe Stellenwert von Innovationen, verbunden mit einem verstärkten Innovationsdruck und der intensiven Zusammenarbeit von Unternehmen und deren Mitarbeitenden sowie Kunden sprechen für Crowdsourcing. Voraussetzung für funktionierendes Crowdsourcing ist wie bei Open Innovation eine offene Firmenkultur. Die Komplexität von Crowdsourcing macht zusätzlich eine Crowdsourcing-Strategie erforderlich. Es gilt folgende Fragen zu klären:

  • Was ist Ihr Ziel bzw. was erhoffen Sie sich von Crowdsourcing? Je nach Ziel ist ein anderes Crowdsourcing-Instrument sinnvoll. Mögliche Ziele: Verbesserung von Produkten oder Dienstleistungen, Erhöhung der Kundenbindung oder Outsourcing von Forschung & Entwicklung
  • Welche der folgenden Crowdsourcing-Instrumente möchten Sie einsetzen?

Crowd-Voting: Das Urteil der Crowd wird genutzt um Zeitungsartikel, Musik oder auch Filme nach einem Ranking zu ordnen. Beispiel: Die Algorithmen (Page Rank), die Google nutzt, um die Suchresultate nach Relevanz zu ordnen. Crowd-Voting wird ebenfalls als Marketing-Instrument genutzt, wo die User über die eingereichten Ideen und Projekte abstimmen und diese bewerten können.

Crowd Wisdom: Basierend auf dem Modell der Crowd Intelligence wird davon ausgegangen, dass die Crowd immer innovativere Ideen hervorbringt als eine Gruppe von Mitarbeitenden oder Experten. Es geht vor allem darum, durch eine grosse Masse bessere Entscheidungen zu treffen oder mehr Wissen zu generieren. Ein Beispiel wäre hier Wikipedia.

Crowdcreation: Dazu gehören Aktivitäten wie Werbefilme herstellen, Übersetzungen machen oder wissenschaftliche Probleme lösen. Dieses Instrument wird oft mit Crowd-Voting kombiniert. Zuerst sollen die User Inhalte erstellen, danach stimmen sie über die Ergebnisse ab und wählen die besten Arbeiten bzw. Projekte. Beispiel: Threadless.com, wo User in Form eines Wettbewerbs Ideen für den Aufdruck von T-Shirts eingeben können.

Crowdfunding: User kooperieren miteinander und legen ihr Geld zusammen um einzelne Personen oder Gruppen zu unterstützen, die auf traditionelle Weise keinen Kredit oder Sponsoring erhalten würden. Beispiel: Kiva basiert auf Mikrokrediten, die User aufstrebenden Unternehmern in ärmeren Ländern ausleihen. Sobald die Unternehmer finanziell unabhängig sind, bezahlen sie die Kredite wieder zurück.

  •  Was ist Ihre Zielgruppe? Handelt es sich dabei um Experten oder Laien? Wem gehören die generierten Ideen oder Produkte? Hier gilt es, Fragen zum Geistigen Eigentum zu berücksichtigen.
  • Wie belohnen Sie die Beteiligten? Die Herausforderung besteht darin, die freiwillig Beitragenden über längere Zeit zur Mitarbeit zu motivieren (Chanal, 2010).
  • Wie erzeugen Sie Gewinn?
  • Wie viel Ressourcen möchten Sie für Crowdsourcing aufwenden? Wer ist dafür verantwortlich? Aufgrund der Anonymität und dem Grad der Einbindung der Crowd empfiehlt es sich, diese zu leiten. Einerseits ermöglicht dies, den Entwicklungsprozess in die vom Unternehmen gewünschte Richtung zu lenken und andererseits können die Teilnehmenden dazu motiviert werden, das Geschäftsmodell einer privaten Firma zu unterstüzten.
  • Wer wertet die Ideen aus und entscheidet, welche Produkte oder Ideen umgesetzt werden? Die Ideen-Flut auszuwerten ist zeit- und kostenintensiv. Die Firma sollte zwischen den folgenden Herangehensweisen abwägen:

Auswahl der Ideen durch die Crowd. Vorteile: Es können interne Ressourcen eingespart werden. Ausserdem vertritt die Crowd ihre Anliegen, was zu einer besseren Akzeptanz des Produkts auf dem Markt führt.

Auswahl der Ideen durch ein internes Expertenteam. Vorteil: Die internen Mitarbeitenden kennen die Abläufe und Strukturen des Unternehmens und können dadurch die Machbarkeit der Ideen besser beurteilen.

Grundsätzlich eignet sich Crowdsourcing gut um das Innovationspontial zu steigern, Entwicklungskosten zu minimieren oder Schwächen des internen Innovationsmanagements zu verringern (Schuurmann et al., 2012). So können mit Crowdsourcing interne Strukturen aufgebrochen und Innovationsprozesse geöffnet werden. Studien belegen denn auch, dass durch Crowdsourcing generierte Ideen innovativer, profitabler und besser auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten sind.

Quellen:

Chanal, Valérie; Caron-Fasan, Marie-Laurence (2010): The Difficulties involved in Developing Business Models open to Innovation Communities: the Case of a Crowdsourcing Platform. In: Management, 13 (4), 318-341.

Schuurmann, Dimitri et al. (2012): Smart Ideas for Smart Cities: Investigating Crowdsourcing for Generating and Selecting Ideas for ICT Innoation in a Citiy Context. In: Journal of Theoretical and Applied Electronic Commerce Research, 7 (3), 49-62.

Tricider: How Crowdsourcing is used? Verfügbar unter: https://tricider.com/en/Crowdsourcing-Strategies/?wicket:pageMapName=wicket-0

Crowdsourcing – ein Begriff, zahlreiche Einsatzmöglichkeiten

Crowdsourcing ist zu einem Modewort geworden – nur verstehen tun es die Wenigsten. Das ist nicht erstaunlich, denn Crowdsourcing kann verschiedene Ausprägungen haben. Trotz oder gerade durch die Vielfalt: Crowdsourcing hat sich etabliert und das Beste: Es kann von jedem User betrieben werden.

Frequently Asked Questions about Crowdsourcing

(picture credit: businessimagesfree.com)

FAQs zu Crowdsourcing: Wer macht Crowdsourcing? Wo findet Crowdsourcing statt?

Crowdsourcing findet im Web statt, mehrere Internetnutzer tauschen sich zu einem Thema aus oder bearbeiten gemeinsam ein Projekt:

  • Es gibt Crowdsourcing-Plattformen, die eigens für den Austausch von Informationen gegründet worden sind. Ein bekanntes Beispiel ist die Brainstorming Community Atizo. Auf dieser Plattform bringen täglich tausende User ihre Ideen zu Fragen und Produkten von Unternehmen ein.
  • Daneben gibt es zahlreiche Crowdsourcing-Kampagnen von Unternehmen, oft werden dabei die Kunden in die Produktentwicklung miteinbezogen. Eine nennenswerte Kampagne läuft seit 2010 von Amazon: Amazon Studios. Einerseits können Nutzer mithelfen eine Serie oder einen Film zu entwickeln und andererseits können aktuelle Filme getestet und bewertet werden.
  • Crowdsourcing kann aber auch jeder einzelne User betreiben! Ein Beispiel wäre eine Schnellrecherche in einem sozialen Netzwerk oder einem Forum: Der Nutzer stellt eine Frage an die Nutzer oder gibt einen Suchbegriff ein und erhält in kurzer Zeit viele Antworten darauf.

Neben dem eigentlichen Sammeln von Ideen mittels der Crowd gibt es 3 Unterkategorien zu Crowdsourcing, welche wir genauer anschauen möchten:

  • Crowdfunding: Viele Menschen finanzieren gemeinsam ein Projekt: Aus einer Idee wird ein Projekt, welches von der Community bewertet bzw. getestet wird. Die Mitglieder können dann ein Projekt mitfinanzieren und erhalten am Ende u.a. das fertige Produkt, ein individuelles Geschenk oder eine Gewinnbeteiligung. Darüber hinaus erhalten Unterstützer eine emotionale Beteiligung am Projekt, sei es durch Entertainment durch den Projektverlauf oder einen Wissensvorsprung durch exklusive Informationen. Die grösste deutschsprachige Crowdfunding-Community ist Startnext.
Crowdfunding

(picture credit: crowdsourcing.org)

  • Microworking: Eine Arbeit wird in kleinere Teilaufgaben aufgeteilt, die dann von der Community erfüllt werden. Am Schluss werden die einzelnen Aufgaben wieder zu einem Gesamtergebnis zusammengesetzt. Ein bekanntes Beispiel ist Crowd Guru. Ihr Kerngeschäft: Grosse Projekte wie Texterstellung, Recherche oder Datenaufbereitung von seinen Auftraggebern in Mikrojobs aufzuteilen und von Mikrojobbern (Gurus) erledigen zu lassen.
  • Co-Creation: Die Community erschafft gemeinsam ein kreatives Werk. Bekannte Communities: Crowd Spring und 99 designs. Dabei werden die Gestaltung von Logos, Websites und andere kreative Prozesse an die Community ausgelagert.

Quellen:

Allemann, Dominik (2011): Was ist eigentlich…: Crowdsourcing? http://bernetblog.ch/2011/08/16/was-ist-eigentlich-crowd-sourcing/

CrowdsourcingBlog (2012): CS Verzeichnis. http://www.crowdsourcingblog.de/crowd-sourcing-verzeichnis/profiles/

Startnext (2012): Was ist Crowdfunding? http://crowdfunding.startnext.de/