Crowdfunding ein Begriff mit Potential für Bibliotheken

Unter Crowdfunding (selten auch Schwarmfinanzierung genannt), versteht man eine durch Jeff Howe an den Begriff Crowdsourcing angelehnte Methode zur Finanzierung und Mittelbeschaffung im Internet. Crowdfunding vereint den Begriff Crowd (Masse) und Funding (Finanzierung). Die Idee dahinter ist simpel: Die Idee für ein Projekt oder eine Investition ist vorhanden, die finanziellen Mittel können aber nicht selbst aufgebracht werden. Hier ist nun der Einsatz der Crowd gefragt. Die Idee oder der Bedarf wird auf einer Crowdfundingplattform vom Antragsteller vorgestellt, dabei bleiben die gesponserten Gelder zweckgebunden und müssen vom Antragsteller projektgebunden investiert werden. Crowdfunding gilt per derzeitig vorherrschender Definition nicht als Spende, man spricht eher von einer Art Sponsoring. Neben der Chance ein Projekt unabhängig finanzieren zu können, bietet Crowdfunding auch die Möglichkeit, sich ein völlig neues Netzwerk aufzubauen mit Partnern, die man auf anderen Wegen nie getroffen hätte. Zudem kann Crowdfunding bereits früh wichtige Erkenntnisse für das Projekt gewinnen, da wichtige Inputs von aussen einfliessen. Gerade dieser Schritt folgt bei herkömmlichen Projekten meist erst viel zu spät.

In den USA sind es gerade Organisationen im Kulturbereich, die Crowdfunding betreiben und damit ein bisher nicht zu erreichendes Potential ausschöpfen können. Es ist demnach an der Zeit auch in europäischen Bibliotheken und Archiven neue Finanzierungsmöglichkeiten und Wege einzuschlagen. Die Bereiche in denen Crowdfunding eingesetzt werden könnte, sind so vielfältig, dass für jede Bibliothek etwas dabei sein wird:

  • Neue Angebote für Nutzer finanzieren
  • Durch Crowdfunding ein aktives und attraktives Customer Relationship Management (non-profit fundraising) aufbauen
  • Marketing: Projektbezogene Marketingmassnahmen mit Crowdfunding
  • Innovative Bibliotheksentwicklung finanziert durch Crowdfunding
  • Social Networking, nicht nur virtuell

Die Recherchen zeigen jedoch, dass Bibliotheken dieses Potential noch viel zu wenig, im deutschsprachigen Raum fast gar nicht nutzen. Warum nur? Vielleicht weil wir immer noch zu traditionell sind, weil wir Angst davor haben, neue Wege zu gehen. Dabei wäre das gerade jetzt, wenn Budgets gekürzt werden, Sparmassnahmen eingeleitet werden und neue Kredite in weite Ferne rücken eine Art, Engagement und Innovation zu zeigen. Gerade bei Crowdfunding können Non-Profit-Organisationen eigentlich nur gewinnen.

Ein gutes Beispiel einer Bibliothek im deutschsprachigen Raum, das den Crowdfunding-Schritt gewagt hat, gibt es trotzdem:

Es werde Licht“ die Aktion des Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchivs, bei der für den Umbau des Magazins und einem neuen Beleuchtungskonzept im Lesesaal Geld gesammelt wurde.

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Crowdfunding

Ilona Munique: „Für eine Handvoll Dollar“ – Crowdfunding. Alternative Form der Mittelbeschaffung. In: BuB, H. 1. 2013, S. 26-31

http://crowdfundingpr.wordpress.com/tag/customer-relationship-management/

Crowdfunding für OPL-Projekte nutzen : Finanzierung, Marketing, Social Networking / Ilona Munique. Hrsg. BerufsverbandInformation Bibliothek / Kommission für One-Person Librarians. –1. Aufl. – 2012. (Checklisten ; 36) www.bib-info.de/kommissionen/kopl/publikationen/checklisten.html

http://www.betterplace.org/de/projects/8626-es-werde-licht-licht-in-unserer-bibliothek